Golf - Tradition und Volkssport
Golf: Anfangs nur ein Sport für die dicke Geldbörse
Je nachdem, aus welchem Blickwinkel man den Golf Sport betrachtet, verfügt dieser über einen großen Geburtsfehler. Golf galt lange als Gentlemen Sport. Und zwar nicht deshalb, weil nur die Herren der vornehmen Gesellschaft ihn ausüben wollten, sondern weil sie die einzigen waren, die es sich leisten konnten.
Golf ist teuer. Die Golfplätze können nur auf riesigen Grundstücken angelegt werden und fordern große Summen für Unterhalt und Pflege. Die Golfausrüstung ist teuer. Golf ist ebenso kein Sport, der problemlos auch an anderer Stelle ausgeübt werden kann. Aus diesem Grund bildeten sich Golfclubs, die hohe Mitgliedsbeiträge forderten. Bezahlen konnten diese in den Anfangstagen des Sports nur die Wohlhabenden. Dies waren Adlige und besitzende Bürger. Golfspielern haftete deshalb schnell ein gewisser Standesdünkel an.
Die Demokratisierung des Sports
Dieser Status war auf Dauer nicht zu halten. Parallel zur gesellschaftlichen Demokratisierungswelle im 19. und 20. Jahrhundert veränderte sich auch der Golf Sport. Die breite Masse fand Gefallen an dem Spiel mit den Schlägern und dem kleinen weißen Ball. Frauen forderten verstärkt ihre Spielrechte ein. Die Politik reagierte und finanzierte öffentliche Golfanlagen.
Die privaten Golfanlagen standen vor einem schwierigen Problem. Ihre Mitgliederzahlen schwanden aus unterschiedlichen Gründen. Je mehr Golfplätze entstanden, desto weniger Lust verspürten die Mitglieder, die großen Beiträge zu entrichten. Verschiedene Clubs senkten ihre Preise, andere begannen Tageskarten zu verkaufen, Für eine Rangefee kann sich jeder Spieler für einen Tag auf das Übungsgelände einkaufen. Für eine Greenfee ist die gesamte Anlage zu nutzen.
Die aktuelle Situation: Golf zwischen Tradition und Volkssport
Die Frage, wie öffentlich private Golfclubs sein sollten, ist bis heute nicht geklärt. Die Mitglieder legen spürbar, so der Vorwurf vieler Tagesgäste, Wert auf eine soziale Homogenität auf den Plätzen. Man sei nicht erwünscht. Gerade in traditionellen Golfclubs ist dieser Vorwurf nicht völlig von der Hand zu weisen. In den USA gibt es beispielsweise Anlangen, in denen Gäste nur in Begleitung von Mitgliedern zugelassen werden.
In einigen europäischen Ländern, darunter auch Deutschland, muss die Platzreife (PR) oder Platzerlaubnis (PE) durch einen Golf Kursbesuch erlangt werden, bevor man einen Golfplatz betreten darf, um zu spielen. Dort wird auch die Ethik des Sports vermittelt.
Die Golfclubs halten dagegen. Ihre Fixierung auf die Mitglieder sei nicht dem Wunsch nach sozialer Homogenität geschuldet, sondern einfach das Ergebnis der Überlegung, dass die regelmäßig zahlenden Mitglieder einen ungestörten Spielbetrieb haben sollten. Trotzdem zeigt die Entwicklung des Golf Sports in Richtung weitere Öffnung für die breite Masse.
Bild: fotolia.de - © Pefkos